Halbzeit auf der Ortsumgehung Pflaumheim mit bevorstehendem Beginn des zweiten Bauabschnitts
Mit der geplanten Fertigstellung Anfang 2032 hat das Großprojekt der Ortsumgehung Pflaumheim zeitlich gesehen nun die Halbzeit erreicht. Das Landratsamt begann bereits Mitte 2020, als die Regierung von Unterfranken den lang erwarteten Planfeststellungsbeschluss erließ, mit den Vorarbeiten an dieser Maßnahme und zieht nun eine Zwischenbilanz. Gleichzeitig wirft der Beginn des zweiten Bauabschnitts seine Schatten voraus.
Die Bauarbeiten für die neue Ortsumgehung gliedern sich in zwei Bauabschnitte: Der erste Abschnitt beginnt am künftigen Knotenpunkt auf der Großostheimer Straße nördlich von Pflaumheim und reicht bis zur Kreisstraße AB 3 zwischen Pflaumheim und Wenigumstadt. Dort startet dann wiederrum der zweite Bauabschnitt, der bis zur künftigen Einbindung auf die Kreisstraße AB 1 im Wald südlich von Pflaumheim geht.
Voraussichtlich Ende 2028 soll der erste Bauabschnitt fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben werden. Der zweite Teil der Arbeiten startet Anfang 2027. Die Abarbeitung der beiden Bauabschnitte findet aus baulogistischen Gründen dann zum Teil parallel statt.
Straße und Baugrund
Von den insgesamt 4,34 Kilometern der künftigen Ortsumgehung Pflaumheim befinden sich derzeit rund 2,65 Kilometer im Bau. Eine besondere Herausforderung ist dabei das schwierige Gelände.
Mit der Errichtung von Baustraßen wurde das Gelände für die notwendigen Bauarbeiten erschlossen. Gleichzeitig mit der Baustraße wurde die vorgeschriebene archäologische Erkundung durchgeführt. Hierzu wurden auf rund 46.000 Quadratmeter Oberboden abgetragen und rund 24.000 Kubikmeter Boden für die Anlage der Baustraße aufgearbeitet.
Weiterhin musste der Baugrund in großen Bereichen durch 1.700 Rüttelstopfsäulen stabilisiert werden. Für die notwendigen Erdarbeiten an den Brücken, zur Schaffung der Einschnittsbereiche und zur Schüttung der ersten Straßendämme wurden bisher rund 16.500 Kubikmeter Boden bewegt. Hierbei spielt die Baulogistik eine ganz besondere Rolle, damit notwendiger Aushub aus den Einschnitten zeit- und ortsnah wieder in künftige Dammbereiche eingebaut werden kann.
Da sich die Vorgehensweise im ersten Bauabschnitt bewährt hat, wird auch im zweiten Bauabschnitt nach der erfolgten Baufeldfreimachung die Anlage einer Baustraße in Verbindung mit der archäologischen Vorerkundung durchgeführt. Eine der ersten Tätigkeiten für den zweiten Bauabschnitt wird dabei die Rodung der von der Trasse betroffenen Waldfläche des Markts Großostheim sein. Die für Januar 2027 geplanten Arbeiten wurden und werden in enger Abstimmung mit der ökologischen Baubegleitung sowie den Naturschutzbehörden vorbereitet und durchgeführt. Bereits im Herbst und Winter 2026 wird der Markt Großostheim eine gezielte Durchforstung des betroffenen Waldstücks vornehmen, um sogenanntes Wertholz zu sichern und dieses für Projekte der regionalen Identität zu nutzen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf sogenannten Höhlenbäumen. So sollen Abschnitte von Baumstämmen, in denen sich Höhlen für Tiere befinden, gesichert und an anderen Bäumen außerhalb der Trasse wieder aufgehängt werden. Auch eine Vielzahl weiterer ökologischer und artenschutzrechtlicher Auflagen aus dem Planfeststellungsverfahren werden bei den Arbeiten berücksichtig.
Bereits vor Beginn des ersten Bauabschnitts hatte das Landratsamt mit Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen begonnen - beispielsweise mit Pflanzungen rund um die Anna-Kapelle. Insgesamt 73.000 Quadratmeter Blüh- und Streuobstwiesen sowie zahlreiche Sträucher und Hecken sind als Ausgleichsflächen vorgesehen. Das Teilstück der bestehenden Kreisstraße AB 1 von der künftigen Einbindung bis auf die Höhe des Schützenhauses wird nach der Fertigstellung der Ortsumgehung zurückgebaut und die Fläche entsprechend aufgeforstet, so dass im Anschluss lediglich ein Forstweg verbleibt.
Brücken und Becken
Auf Grund des schwierigen Geländes müssen insgesamt sieben Brücken gebaut werden. Rund um den Mühl- und Pflaumbach sowie auf Höhe des Gipfelkreuzes bestimmen Schalungs-, Bewehrungs- und Betonarbeiten aktuell das Baustellenbild. Die Arbeiten an zwei Brücken sind bereits abgeschlossen. Die aktuell laufenden Brückenbauarbeiten an drei Brücken im Bauabschnitt 1 werden voraussichtlich Ende 2026 abgeschlossen sein. Hierzu werden rund 1.400 Kubikmeter Stahlbeton verbaut werden. Die beiden verbleibenden Brücken sind Teil des zweiten Bauabschnitts südlich von Pflaumheim.
Insgesamt vier Regenrückhaltebecken sind entlang der neuen Ortsumgehung vorgesehen, wobei das Becken nahe der Ringheimer Mühlstraße allein für die Bauzeit benötigt wird und zwei Becken bereits im Rahmen des ersten Bauabschnitts errichtet wurden. Der Bau des Regenrückhaltebeckens südlich der Kreisstraße AB 3 ist Teil des zweiten Bauabschnitts und soll voraussichtlich im Sommer 2028 erstellt werden.
Renaturierung
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Renaturierung des Pflaumbachs. Hier wird nicht nur die Gewässersohle neu profiliert, sondern durch die Schaffung von Retentionsräumen - also Areal, auf das bei Hochwasser oder Starkregen große Wassermengen fluten können - und die Anpflanzung von etwa 45 Sträuchern, 109 Bäumen und Hochstauden auf 11.655 Quadratmetern die ökologische Qualität des Bachlaufs nachhaltig gesichert. Hierzu werden rund 3.000 Kubikmeter Oberboden abgetragen und rund 5.450 Kubikmeter Erdabtrag getätigt.
Im Juli 2026 konnte mit den Arbeiten begonnen werden, die noch bis Herbst andauern werden. Letzte Pflanz- und Saatarbeiten werden sich dann noch bis Anfang 2027 erstrecken. Um nicht im fließenden Wasser zu arbeiten, wurden die Fische Anfang August 2026 abgefischt und an anderer Stelle wieder eingesetzt.
Finanzen
Im Oktober 2020 wurden die Gesamtkosten auf 41,4 Millionen Euro kalkuliert - 27 Millionen Euro für den ersten und 14,4 Millionen Euro für den zweiten Bauabschnitt. Zum aktuellen Stand hat der erste Bauabschnitt rund 16,5 Millionen Euro gekostet und wird voraussichtlich mit rund 29,5 Millionen Euro abschließen. Damit stellt sich die Kostenentwicklung mit Blick auf Inflation und Baupreisindex und trotz mehrerer geopolitischer Herausforderungen durchweg positiv dar.
Die Vergabe in einzelnen Teil- und Fachlosen ist für das Landratsamt zwar aufwendig, ermöglicht es aber, dass mittelständische Unternehmen an diesem Großprojekt teilnehmen und Preis- und Marktschwankungen bisher gut abgefedert werden können.
Zwischenfazit
Landrat Dr. Alexander Legler blickt dankbar und erfreut auf die großen Fortschritte der Baumaßnahme: „Was wir in den sechs Jahren seit der Übergabe des Planfeststellungsbeschlusses erreichen konnten, ist enorm. Gleich vom ersten Tag an haben alle Beteiligten und insbesondere das Team in der Tiefbauverwaltung hochmotiviert daran gearbeitet, die Ortsdurchfahrt nach Jahrzehnten der Diskussionen, Planungen und Genehmigung durch die Neubaumaßnahme endlich entlasten zu können. Dabei setzen wir selbstverständlich alle Vorgaben aus den 1.370 Seiten des Genehmigungsbeschlusses im Detail um. Bei alledem verlangt die Maßnahme gerade auf dem besonders herausfordernden Baugrund allen Beteiligten viel ab. Und dennoch: Mit Blick auf das gemeinsam Erreichte und die hohe Expertise unserer Tiefbauverwaltung können wir auch in die zweite Halbzeit optimistisch starten und sehen einem weiteren planmäßigen Bauverlauf entgegen.“
Auch Bürgermeister Ralf Herbst resümiert: „Der Markt Großostheim ist ausgesprochen zufrieden mit dem bisherigen Verlauf dieses für die Bewohner der Pflaumheimer Ortsdurchfahrt sowie die gesamte Marktgemeinde so wichtigen Infrastrukturprojekts. Ich freue mich persönlich, dass zur Mitte der Baustelle sowohl der Kosten- als auch der zeitliche Rahmen eingehalten werden konnten. Sehr erfreulich ist auch, dass der Bauabschnitt 2 nahtlos begonnen wird. Der Markt Großostheim wird den Landkreis Aschaffenburg als Bauherren auch weiterhin nach Kräften unterstützen, finanziell im Rahmen bestehender Vereinbarungen und personell durch einen Ansprechpartner im Rathaus.“