Weitere rote Bank in Großostheim
Am Dienstag, den 10. Februar 2026 konnte eine weitere rote Bank im Landkreis Aschaffenburg aufgestellt werden. Mit dem neuen Standort im Ringheimer Bürgerpark machen inzwischen vier Bänke, verteilt auf alle Ortsteile, in Großostheim und insgesamt neun Bänke im Landkreis Aschaffenburg das Thema der häuslichen und sexualisierten Gewalt gegen Frauen öffentlich sichtbar. Zudem hat das Landratsamt auch an seinem Hauptgebäude in der Stadt Aschaffenburg eine rote Bank aufgestellt, um auch hier für das Thema zu sensibilisieren.
Initiative für die neueste Ergänzung hatten die örtliche Frauenunion sowie der CSU-Ortsverband ergriffen und auch die zugehörige Plakette finanziert. Die Bank wiederum wurde von der Marktgemeinde Großostheim zur Verfügung gestellt. Die Plakette selbst entstammt dem Entwurf des Landratsamts und befindet sich an allen roten Bänken im Landkreis. Die Gleichstellungsstelle des Landratsamts macht damit und mit Hilfe des darauf befindlichen QR-Codes auf einschlägige Informations- und Beratungsangebote aufmerksam, die das Landratsamt auf www.rote-bank-ab.de zusammen getragen hat.
Gleichstellungsbeauftragte Caroline Ruck ist nämlich überzeugt: „Einerseits braucht es niedrigschwellige und gut erreichbare Beratung direkt für die Betroffenen. Andererseits braucht es generell eine aufgeklärte Gesellschaft, in der die Scham die Seite wechselt - weg von den Opfern und hin zu den Tätern, wie es auch Gisele Pelicot sagte. Daher sind die roten Bänke unbedingt als Einladung zu verstehen, sich selbst zu reflektieren: Wo habe ich schon grenzverletzendes Verhalten wahrgenommen und geschwiegen, vielleicht peinlich berührt weg gesehen, anstatt Gewalt zu benennen, zu verurteilen und Hilfe anzubieten?“
Daher hat die Gleichstellungsstelle im Postkarten-Format auch Verhaltensempfehlungen zusammen gestellt, wie man unterstützen kann, wenn man nicht selbst betroffen ist, aber grenzverletzendes Verhalten bemerkt.
Die Sefra-Vorsitzende Giovanna Camertoni berichtet beispielhaft aus der ihrer Erfahrung in der Beratungsarbeit: „Eine Frau erzählte mir von ihrer Angst vor ihrem ehemaligen Partner. Und doch durfte sie ihm ihr gemeinsames Kind nicht in Begleitung einer Vertrauensperson wie der Großmutter oder einer Nachbarin übergeben. Und das obwohl das Einzige, das dabei Schaden genommen hätte, das Machtgefühl des Mannes gewesen wäre. Eine aktivistische Mutter hat mir dann beschrieben, dass es sich so anfühle, als würden Institutionen den Mann gegenüber der Frau wieder als Oberhaupt etablieren, nachdem sie es gewagt habe, sich zu trennen und ihre Unabhängigkeit wieder zu erlangen - selbst wenn er gewalttätig gewesen sei.“
Die rote Bank wird als Zeichen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt verstanden. Sie soll einen Beitrag leisten, für das Thema ein Bewusstsein zu schaffen und zu sensibilisieren. Sie hilft außerdem, auf die Beratungs- und Hilfseinrichtungen sowie deren Angebote hinzuweisen und soll Betroffene sowie Unterstützerinnen und Unterstützer ermutigen, sich dort hin zu wenden. Die Plakette auf der roten Bank verweist daher - unter anderem per QR-Code - auf www.gleichstellungsstelle-ab.de.
Die Idee der Roten Bank geht auf eine Aktion in Italien zurück. Dort wurde 2016 erstmals eine „panchina rossa“ in der Gemeinde Perugia als Symbol gegen häusliche Gewalt aufgestellt. Inzwischen gibt es diese roten Bänke in mehreren Orten im Landkreis Aschaffenburg, aber auch in anderen Städten Deutschlands und weltweit.